Manche wollen gern ins Selfpublishing, andere wollen gern in den Verlag. Der erste Schritt ist bei beiden gleich: eine Geschichte schreiben und sie so sehr polieren, dass der Text reif für fremde Augen ist. Aber was kommt danach?
Es ist durchaus möglich (und gängig), dass man sich mit unvollständigen Manuskripten bewirbt. Aber: Debütautor*innen und Autor*innen mit wenigen Veröffentlichungen werden oft im zweiten Schritt gebeten, Vollmanuskripte einzureichen. Für den Verlag dient das als Versicherung, dass Autor*innen in der Lage sind, ein Werk fertigzustellen. (Denn das allein ist ein großer Meilenstein, wie wir uns neben den vielen Veröffentlichungsnachrichten vor Augen halten müssen. Du hast ein Buch geschrieben? Du hast Applaus verdient, unabhängig von jeder Veröffentlichung!)
Aber was sollte man bei einer Verlagsbewerbung noch beachten? Ich habe das in drei Schritten zusammengefasst, in Vorarbeit/Vorüberlegungen, Bewerbungsprozess: Formalitäten und Nacharbeit.
Vorarbeit/Vorüberlegungen
- Großverlag oder Kleinverlag? Viele Großverlage nehmen Manuskripte bevorzugt über Agenturen an. Viele Agenturen nehmen Manuskripte nicht mehr, die schon Verlagen vorlagen. Der typische Weg bei einem Veröffentlichungswunsch im Großverlag ist daher, dass man sein Glück erst bei Agenturen versucht und sich als Plan B selbstständig bei Großverlagen bewirbt. Bei kleinen und mittelgroßen Verlagen kann man sich oft selbst bewerben (obwohl auch da manchmal Manuskripte über Agenturen vermittelt werden).
- Profil des Verlages checken: Passt der Verlag wirklich zu mir? Und passe ich zum Verlag? Stimmt das Genre? Passt mein Stil? Bietet der Verlag mir das, was ich will? Bitte Cover und Leseproben anderer Veröffentlichungen unter die Lupe nehmen. Wenn man damit glücklich ist, dann steht einer Bewerbung fast nichts mehr im Weg.
- Nimmt der Verlag Manuskripte an? Bitte niemals Verlagen Manuskripte zusenden, die eigentlich keine annehmen. Gerade Kleinverlage haben nicht die Kapazitäten, eure unaufgeforderten E-Mails zu bearbeiten. Eure lokalen Kleinverleger*innen möchten gern burnoutfrei ins Wochenende kommen. 🙂
Bewerbungsprozess: Formalitäten beachten
- Exposé und Leseprobe vorher checken lassen. Professionell (zum Beispiel von uns), aber zumindest von Menschen, die davon Ahnung haben.
- Haben Exposé und Leseprobe die richtige Länge? Nicht davon ausgehen, dass eine halbe Seite zu viel in Ordnung sind. Einige Verlage sortieren streng aus, wenn Leseprobe/Exposé zu lang sind.
- Sind alle nötigen Daten in Exposé und Leseprobe? Haben die Dateien das richtige Format (.pdf oder .docx)? Bitte genau Anforderungen checken und im Zweifel nachfragen! Wenn man überhaupt keine Erfahrung mit Exposés hat, eventuell eine Fortbildung zu dem Thema belegen.
- Grundkenntnisse Verlagsbewerbung: Ihr solltet wissen, was euer Genre ist und eure Zielgruppe; ihr solltet wissen, wie man pitcht; ihr solltet Vergleichstitel kennen.
- Betreff: Ist der Mailbetreff richtig? Viele Verlage wollen gern, dass im Betreff steht, worum es sich handelt, also Genre und Titel. Bitte nicht „Mein Manuskript“ in den Betreff schreiben.
- Anschreiben: Name der*des Ansprechpartner*in richtig geschrieben? Richtige Pronomen benutzt? Vor- oder Nachname (oder beides; gucken, ob auf der Website gesiezt oder geduzt wird).
- Wenn kein spezieller Mailinhalt gefordert ist: Es schadet nicht, den Pitch reinzuschreiben, und in aller Kürze, warum euer Manuskript ins Programm sollte. Seid nett und nahbar. Schreibt nicht in die Mail, dass eure Idee einzigartig ist oder besser als alle anderen. Der Literaturbetrieb möchte, dass Literatur anschlussfähig ist – dass ihr Vergleichstitel nennen könnt und wisst, wie euer Manuskript zu anderen steht. Ihr solltet nicht darauf vertrauen, dass euer Text besser ist, sondern darauf, dass er gut passt.
- Wichtig: Verlagsanschreiben sollten immer individuell sein und Exposé und Leseprobe zum Verlag passen.
Nacharbeit
- Manche Verlage schreiben bei Absagen keine Mails, d. h., ihr müsst stillschweigend davon ausgehen, dass euer Manuskript nicht angenommen wurde. Das ist erfahrungsgemäß ziemlich hart und braucht ein gutes Nervenkostüm. Es kann sein, dass ihr euch erst zigmal bewerben müsst, bis ihr überhaupt eine Rückmeldung bekommt. Nehmt das nicht persönlich (auch wenn das schwer ist), denn die Konkurrenz ist einfach groß.
- Bitte schreibt nur Nachfragen über den Stand der Bewerbung, wenn auf der Website explizit steht, dass das erwünscht ist. Und auch nur im gewünschten Rahmen.
Selbstverständlich helfen wir euch gern, eure Leseprobe, euer Exposé und das ganze Manuskript reif für eine Verlagsbewerbung zu machen. Das ist aber nicht das, womit ich schließen möchte.
Viele haben einen Veröffentlichungswunsch. Der geht so weit, dass Autor*innen ihre Manuskripte zu grausigen Konditionen unter Vertrag bringen. Tut das nicht. Ihr habt Hunderte von Stunden an eurem Werk gearbeitet. Ihr solltet fair behandelt werden. Es sollte im Vertrag nie eine Option geben, dass ihr irgendwo zahlen/zuzahlen müsst. Geld fließt immer vom Verlag zu euch, nie andersherum.
Ihr solltet immer das Gefühl haben, dass der Verlag euch gegenüber wertschätzend und respektvoll auftritt. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. Passt auf euch auf, damit ihr Lust habt, noch viele weitere gute Bücher in die Welt zu bringen.
