Der erste Roman ist in Planung oder schon geschrieben, nun stellt sich die Frage: Wo soll ich meine Geschichte veröffentlichen?
Die gute Nachricht ist, dass es nie einfacher war, den eigenen Roman für ein Publikum verfügbar zu machen als heutzutage. Publikumsverlage bieten ein breites Programm, Kleinverlage versorgen auch Nischenbedürfnisse, und im Selfpublishing können sich Autor·innen kreativ ausleben.
Der Buchmarkt stagniert zwar und wird immer wieder totgesagt, aber selbst wenn er im Vergleich mit Automobil- und Pharmaindustrie ein Zwerg ist, so liegt er in Deutschland bei den jährlichen Umsätzen immer noch deutlich vor der Games-, Musik- und Filmbranche. Es gibt also nicht nur viele potenzielle Leser·innen, sondern ebenso die Möglichkeit, mit Büchern Geld zu verdienen – auch wenn die wenigsten Autor·innen vom Schreiben leben können.
Autor·innen, die sich davon nicht entmutigen lassen, haben also mehrere Optionen. Aber worin genau unterscheiden sich Publikumsverlag, Kleinverlag und Selfpublishing?
Der Klassiker: Der Publikumsverlag
Lange Zeit führte kein Weg am Verlag vorbei, heute noch träumen viele Autor·innen von einem Verlagsvertrag. Dabei denken sie in der Regel an einen großen Publikumsverlag. Der Markt wird in Deutschland von wenigen Konzernen beherrscht (z. B. Penguin Random House und Bonnier), zu denen zahlreiche Verlage und Imprints gehören (Carlsen, Piper, S. Fischer, Heyne etc.). Daneben gibt es auch einige unabhängige Verlage wie Suhrkamp, DuMont und Hanser. Was aber sind die Vorteile bei einer Zusammenarbeit? Und welche Hürden gibt es zu überwinden?
- Gleich zu Beginn eine Hürde: Der Weg zum Verlag führt mittlerweile fast ausschließlich über Agenturen. Das heißt, bevor Verlagslektor·innen auch nur einen Blick auf euer Manuskript werfen, müsst ihr Agent·innen von euch und eurer Geschichte überzeugen. Dass bei Publikumsverlagen unverlangt eingereichte Manuskripte veröffentlicht werden, kommt hingegen nur äußerst selten vor.
- Bei der Zusammenarbeit mit einem Publikumsverlag profitiert ihr von einem erfahrenen und professionellen Arbeitsumfeld. Um Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover und Marketing kümmern sich in der Branche gut vernetzte Profis. Euer Manuskript wird so also Schritt für Schritt zu einem hochwertigen Produkt für den Buchmarkt.
- Üblicherweise zahlen Verlage ihren Autor·innen einen Vorschuss. So können diese zumindest eine Zeit lang unbehelligt von finanziellen Sorgen an ihrem Manuskript arbeiten. Die Höhe des Vorschusses kann jedoch stark variieren, mit viel Geld dürfen vor allem etablierte Bestsellerautor·innen rechnen.
- Die Größe des Publikumsverlags ist seine Stärke, zugleich sorgt sie dafür, dass euer Buch nur eines von vielen ist. Wenn euer Buch nicht zu den Toptiteln zählt, müsst ihr beispielsweise selbst für euer Buch werben. Denn das Marketingbudget wird vor allem für die Werbung der potenziellen Bestseller verwendet.
- Der Buchmarkt ist schnelllebig: Was nicht innerhalb weniger Wochen überzeugt und gekauft wird, verschwindet schnell wieder aus dem Handel. Ein Verlagsvertrag ist also kein Garant für kommerziellen Erfolg.
Vielfalt und Nische: Der Kleinverlag
Die Zahl der Kleinverlage (und Kleinstverlage) ist unüberschaubar; so schnell sie auftauchen, so rasch sind sie manchmal leider auch wieder verschwunden. In der Regel besetzen Kleinverlage Nischen, sie veröffentlichen zum Beispiel Bücher mit regionalem Bezug, bestimmte Genres oder Werke, die nur schwer für ein breites Publikum zu vermarkten sind. Sie sind für eine vielfältige Literaturlandschaft also unverzichtbar, haben aber auch mit ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen.
- Bei vielen Kleinverlagen könnt ihr direkt Manuskripte einreichen, der Weg über eine Agentur ist nicht notwendig.
- Kleinverlage haben es mitunter schwer, sich neben den großen Verlagsgruppen auf dem Markt zu behaupten und profitabel zu arbeiten. Das hat zur Folge, dass Autor·innen oft keinen Vorschuss erhalten und das Marketing zu einem großen Teil selbst übernehmen müssen.
- Dennoch bieten Kleinverlage euch auch einiges, z. B. ein Lektorat, Buchsatz und Coverdesign. Seriöse Verlage werden für diese Leistungen übrigens niemals Geld von ihren Autor·innen verlangen!
- Da euer Roman meist nur einer von wenigen im Programm ist, erfährt er mehr Aufmerksamkeit. Kleinverleger·innen sind oft besonders leidenschaftlich und idealistisch, für sie geht es um mehr als ums Geldverdienen oder einen Job. (Was nicht heißen soll, dass es solche Menschen nicht auch in den Publikumsverlagen gibt!)
- Kleinverlage sind im Vergleich oft weniger vernetzt, aber viele haben durch ihre langjährige Arbeit und persönliches Engagement eine treue Leserschaft aufgebaut. Davon profitieren auch neue Autor·innen.
- Die besten Plätze im Buchhandel sind den Bestsellern vorbehalten. Als Kleinverlag hat man es da schwer, gesehen zu werden. Viele Kleinverleger·innen sind daher aber etwa auf Messen und anderen Veranstaltungen präsent, um ihre Bücher zu bewerben und zu verkaufen. Einige Kleinverlage arbeiten auch gar nicht mehr mit dem stationären Buchhandel zusammen, da sie die Bedingungen (etwa bei Remissionen) als unfair empfinden.
Do it yourself: Selfpublishing
Selbstverlegte Werke sind nichts Neues in der Literaturgeschichte. Dass eine breite Masse aber die Möglichkeit hat, mit einem Knopfdruck und geringem finanziellen Aufwand Romane zu veröffentlichen, ist ein Phänomen unserer Zeit. Bei all den Freiheiten, die der technische Fortschritt mit sich bringt, gibt es jedoch auch einige Nachteile und Risiken.
- Selfpublishing genießt nicht dasselbe Prestige wie Verlagsbücher. Auch wenn in den letzten Jahren so einige SP-Titel die Bestsellerliste stürmen konnten, wird auf diese Bücher immer noch herabgeblickt und es halten sich hartnäckige Vorteile, etwa dass SP-Autor·innen es einfach nicht in einen Verlag geschafft hätten. Während SP-Werke in bestimmten Genres keine Seltenheit sind und gut von den jeweiligen Szenen angenommen werden, sind literarische Romane im SP vor allem in Deutschland eine Seltenheit.
- Ein professionelles Buch herzustellen, ist aufwendig und kostet Geld. Während manche Autor·innen Coverdesign, Buchsatz und Marketing selbst übernehmen, müssen für Lektorat und Korrektorat in der Regel Dienstleister·innen vom Fach angeheuert werden. Die Ausgaben können da schnell in den mittleren vierstelligen Bereich gehen. Dafür müssen Selfpublisher·innen ihre Einnahmen allerdings später auch nicht mit einem Verlag teilen.
- Eventuell müssen Selfpublisher·innen sich beim Finanzamt melden und sogar ein Gewerbe anmelden. Es gibt zudem einige weiter Pflichten zu beachten, etwa KSK-Abgaben, das Versenden von Pflichtexemplaren an die Nationalbibliothek und die Beachtung des Verpackungsgesetzes.
- Egal, ob man Coverdesign und Buchsatz selbst übernimmt oder von einem Profi erstellen lässt – als SP-Autor·in hat man viel kreativen Spielraum und kann das eigene Buch ganz individuell gestalten (lassen).
