Das Manuskript ist geschrieben und überarbeitet. Was nun? Gleich abschicken? Wir sagen: Besser nicht. Wir raten Schreibenden, sich vor der Lektoratssuche einige wichtige Fragen zu stellen, um den Austausch im Lektorat noch besser und produktiver zu gestalten. Das Wichtigste dabei: Was will ich eigentlich? Und was brauche ich für ein erfolgreiches Lektorat und einen vertrauensvollen Austausch?
1. Grundsätzliches: Möchte ich ein Lektorat oder ein Korrektorat (oder beides)?
Manchmal erreichen uns E-Mails, in denen jemand nach einem Lektorat fragt, wir jedoch bei Nachfrage erkennen, dass eigentlich eine reine Rechtschreib- und Fehlerkorrektur gewünscht ist. Die erste Frage ist daher: Möchte ich reine Fehlerkorrektur, eine inhaltliche Optimierung oder eine stilistische Verbesserung?
Inhalts- und Stillektorat: Bei einem Lektorat untersuchen wir das Manuskript auf inhaltliche und/oder stilistische Aspekte, darunter Handlungsaufbau, Figurenentwicklung, Perspektive und sprachliche Gestaltung. Inhalts- und Stillektorat können einzeln oder zusammen gebucht werden. Außerdem gehört zum Lektorat die Überprüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dies erfolgt jedoch nicht in dem Umfang wie bei einem vollständigen Korrektorat.
Korrektorat: Bei einem Korrektorat untersuchen wir das Manuskript auf Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und inhaltliche Plausibilität.
2. Was erwarte ich von einem Lektorat?
Viele gehen mit dem Anspruch ins Lektorat, dass ein Text danach »besser« sein soll. Dabei hängt jedoch »besser« immer davon ab, welche Ziele man sich gesetzt hat. Ein Buch, das man für sich geschrieben hat, könnte dann schon besser sein, wenn die eigenen Botschaften klarer hervortreten und Fehler korrigiert werden. Ein Buch, das für eine Agentur oder eine Verlagsveröffentlichung bestimmt ist, könnte hingegen davon profitieren, wenn man klassische Strukturen (z. B. Heldenreise) klarer herausarbeitet und die Tropes (mit denen oft Marketing betrieben wird) in den Vordergrund rückt.
3. Für wen ist der Text?
Viele Schreibende haben vor allen Dingen zum Ziel, für andere zu schreiben. Dabei unterscheidet sich der Fokus oft auch je nach Veröffentlichungsweg, sei es nun zielgruppengerichtetes Selfpublishing, Kleinverlag, Publikumsverlag oder Agentur. Bücher haben zudem auch verschiedene Zielgruppen (Jugendliche, junge Erwachsene etc.). Die Vorschläge im Lektorat orientieren sich an den Zielsetzungen und Zielgruppen der Schreibenden. Demnach können Vorschläge auch mehr oder weniger umfangreich ausfallen.
4. Wie viel möchte ich an dem Text verändern?
Gerade Debütant*innen sind oft überrascht, wenn Lektorierende tiefschürfende Veränderungen am Aufbau ihrer Geschichte vorschlagen. Für manche ist das schmerzhaft, weil sie das Gefühl haben, dass sie die Kontrolle über ihr »Buchkind« verlieren. Wichtig zu wissen: Lektorierende sind immer im Team der Schreibenden – wir wollen helfen und motivieren. Es hilft Schreibenden, wenn sie sich vorher bewusst machen, wie umfangreich Änderungsvorschläge gegebenenfalls sein dürfen, damit sie sich damit wohlfühlen. Und weil noch immer das hartnäckige Gerücht kursiert, man müsse irgendetwas ändern: Schreibende entscheiden immer selbst, welche Änderungen sie übernehmen. Lektorierende machen nur Vorschläge.
5. Wie viel Arbeit möchte ich noch in den Text stecken?
In den sozialen Medien wird Lektorat manchmal so beschrieben: Schreibende schicken einen Text ins Lektorat und bekommen einen »verbesserten« Text zurück. Das grenzt an Ghostwriting und ist nichts, was wir ohne explizite Nachfrage tun würden. Der Text gehört immer unseren Schreibenden. Wir machen also Vorschläge, die Schreibende dann auf ihre Weise umsetzen können – oder auch nicht. (Und wirklich niemand ist dann böse.) Vor einem Lektorat sollte man sich überlegen, ob und wie viel man überhaupt am Text verändern will: Wenn man nur kleine Änderungen eingeplant hat, können Lektorierende ihr Feedback daran anpassen.
6. Wie ist mein Zeitrahmen?
Gerade Schreibanfänger*innen sind überrascht, wie lange das Lektorat (unser Teil und die Überarbeitung durch die Schreibenden) dauern kann. Im Durchschnitt schaffen wir im Lektorat 20 bis 30 Seiten pro Werktag. Das ist aber stark vom Manuskript abhängig. Als grobe Leitlinie setzen wir für ein vierhundertseitiges Manuskript (Normseiten!) einen Monat an. Danach bekommen Schreibende das Manuskript zurück zur Überarbeitung, die auch wieder eine gewisse Zeit braucht. Nehmen wir an, dass Lektorat Stil/Inhalt (eventuell sogar in zwei Durchgängen), Korrektorat und Buchsatz (Print und E-Book) geplant sind – das alles kann gut ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Eine verkürzte Bearbeitungszeit (wenn Schreibende zum Beispiel zum Weihnachtsgeschäft veröffentlichen wollen) ist durchaus möglich, sollte jedoch vorher abgesprochen werden.
7. Wie viel Lob brauche ich? (Und mit welcher Art von Feedback kann ich gut umgehen?)
»Hoffentlich ist mein Text nicht total rot!« Oft liest man, dass Schreibende Angst davor haben, ihr lektoriertes Manuskript zu öffnen. Viele Schreibende identifizieren sich stark mit ihrem Manuskript – Kritik und Verbesserungsvorschläge können dann besonders schmerzhaft sein. Dabei können auch nicht alle Menschen gut mit derselben Art von Feedback umgehen. Alte Hasen sind oft mit kurzen Anmerkungen zufrieden, Debütant*innen hätten oft gerne mehr Erklärungen, um nicht das Gefühl zu haben, dass sie unrechtmäßig kritisiert wurden. Vorher zu kommunizieren, dass man nervös ist, dass man bisher noch kein Lektorat hatte und nicht weiß, wie Feedback im Lektorat aussieht, hilft dabei, eine verständnisvolle Atmosphäre im Lektorat zu schaffen. Und das ist unser Ziel.
8. Was möchte ich ausgeben?
Lektorierende stecken viel Zeit in ein Manuskript – demnach können Lektorate einiges kosten. Wir halten die Preise transparent (siehe Preisliste), machen jedoch auch gerne individuelle Angebote wie »Lektorat Light«. Für uns ist wichtig, dass sich Schreibende vorher Gedanken machen, welches Budget sie zur Verfügung haben, damit wir ihnen auf dieser Grundlage Vorschläge machen können.
Fazit: Viele Fragen für ein erfolgreiches Lektorat
Natürlich gibt es noch viele weitere Fragen, die man sich vor dem Lektorat stellen kann. Grundsätzlich gilt: Wir freuen uns immer über einen regen Austausch vor dem Lektorat – uns ist daran gelegen, dass Schreibende ihr Lektorat als großen Gewinn empfinden und auch etwas für zukünftige Schreibprojekte mitnehmen. Das kann aber nur in einer offenen, freundlichen Atmosphäre passieren. Also scheut euch bitte nicht, uns vorher ganz genau zu sagen, was ihr erreichen wollt und was ihr braucht, damit ihr euch wohlfühlt.
